Euregio Maas-Rhein 2018-04-24T14:23:57+00:00

Euregio Maas-Rhein

Euregio Maas-Rhein

Beteiligte Staaten
Deutschland, Belgien und Niederlande

Beteiligte Bundesländer, Provinzen, Regionen
NRW/Region Aachen (D)
Wallonie/Flandern, Province de Liège, Provincie Limburg, Deutschsprachige Gemeinschaft (B)
Provincie Limburg (NL)

Bevölkerung: 4 Mio.
Fläche: 10.800 km²
Kernstädte: Aachen, Düren (D); Liège, Hasselt (B); Maastricht, Heerlen (NL)

Die Euregio Maas-Rhein (EMR) ist ein Zusammenschluss der Regionen Aachen, Belgisch-Limburg (Hasselt), Wallonie (Lüttich), der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (Eupen) und der niederländischen Region Süd-Limburg (Maastricht). Drei Staaten, fünf Partnerregionen, drei Sprachen – eine vielfältige Drehscheibe der europäischen Einigung. Der Begriff Euregio setzt sich zusammen aus den beiden Begriffen Europa und Region. Darunter werden vor allem Kooperationsverbände im Nordwesten Europas gefasst, die sich mit grenzüberschreitender Kooperation in verschiedenen Aufgabenbereichen befassen. Die Euregio Maas-Rhein ist einer dieser Kooperationsverbände. Insbesondere die gemeinsame Geschichte des Gebietes bot Überlegungen zu ihrer Gründung. Sie lässt sich sogar bis zur Eroberung Galliens durch Julius Cäsar zurückverfolgen. (s. Website Universität Göttingen)

Von den 4 Mio. Einwohnern der Euregio leben etwa 1,29 Mio. in der Region Aachen – das sind die Städteregion Aachen, die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg sowie die Stadt Aachen. Aachen ist die Stadt Karls des Großen, von hier aus entstand sein Reich von europäischer Dimension. Auch heute sind die Stadt und Region am Dreiländereck ein europäisches Symbol – und dies nicht nur wegen des Karlspreises, der wohl bedeutendsten Auszeichnung, die Europa zu vergeben hat, sondern auch wegen ihrer intensiven europäischen und euregionalen Kooperationen.

Die Region zeichnet sich durch eine außerordentlich heterogene Struktur aus. Signifikant dafür ist beispielsweise die Bandbreite der Bevölkerungsdichte: Von 1.591 Einwohnern pro km² im Oberzentrum Aachen bis hin zu 153 EW/km² im überwiegend ländlich strukturierten Kreis Euskirchen (2012). Gleichwohl handelt es sich um einen Raum, der als gemeinsame Wirtschafts- und Technologieregion eine wirkungsvolle Dialog- und Kooperationskultur entwickelt hat. Dies gilt sowohl nach innen wie auch im Zusammenwirken mit externen Partnern.

Städtisches System in der Euregio Maas-Rhein (Kartographie: agl der Basis von Geodaten des BBSR und der Regionen)

Die Region wird von außen bislang vornehmlich über ihr positives Wissenschafts- und Technologieimage („Technologieregion Aachen“) im Zentrum Europas („Europa kommt von hier“) wahrgenommen. Dies stellt auch für die Zukunft einen hervorragenden Angelpunkt sowohl für die wirtschaftliche, als auch technologisch-innovative, wie die soziale und die kulturelle Weiterentwicklung der Region dar. Mit mehr als 250.000 Unternehmen auf einer Fläche so groß wie Luxemburg übersteigt die Wirtschaftskraft der Euregio sogar diejenige vollwertiger Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. An vier Universitäten, zehn Fachhochschulen sowie unzähligen Forschungslaboratorien und Entwicklungszentren arbeiten nahezu 50 000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und mehr als 100.000 Studierende.

Das unverwechselbare Flair der europäischen Region Aachen-Maastricht-Lüttich ist Ausdruck des von Weltoffenheit und Traditionsbewusstsein gleichermaßen geprägten Miteinanders: Hightechindustrie und bedeutende Historie, Spitzenforschung und Jahrhunderte alte Kunstschätze, modernste Architektur und gotische Bauwerke, Naturerlebnis und Tourismus, vielfältige Kulturevents und Sport auf höchstem Niveau sind spannungsreiche Pole der Region. Das attraktive Umland gepaart mit hoher Wohn- und Lebensqualität zu günstigen Preisen, der Sprachenvielfalt, dem internationalen Warenangebot und einer gastronomischen Güte, die ihresgleichen sucht, begründet das allenthalben spürbare Klima von heiterer „rheinisch-maasländischer“ Toleranz und lebendigem Einklang von Gestern, Heute und Morgen.

Die Euregio Maas-Rhein mit ihrer über 30-jährigen Tradition in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist heute Symbol europäischer Integration – und noch viel mehr als das: Sie ist vor allem Keimzelle vielfältiger Kooperation in der Gesamtregion. Ähnlich wie andere Regionen, musste die heutige Euregio vor ca. 20 Jahren durch Zechenschließungen Einbußen in der Wirtschaftskraft erfahren – nicht nur im deutschen Teilraum. „Aber die vorhandenen Ländergrenzen wurden nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in sozialer Hinsicht schon immer als entfremdend empfunden“ (Website Universität Göttingen). Aus diesem Grund kam es 1969 unter der Schirmherrschaft der Europäischen Gemeinschaft zu Überlegungen bezüglich des Aufbaus eines grenzüberschreitenden Aktionsprogramms. Bereits seit 1957 gab es auf niederländisch-deutschem Gebiet eine Euregio, die schließlich Vorbild für das 1974 entstandene Kooperationsprojekt war (s. Website Universität Göttingen).

Während eines offiziellen Besuchs der Stadt Maastricht schlug in jenem Jahr Prinzessin Beatrix vor, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Regionen zu fördern. Die Gouverneure der belgischen Provinzen Limburg und Lüttich, der Kommissar der Königin der niederländischen Provinz Limburg sowie der Regierungspräsident von Köln beschlossen daraufhin die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft, die diese Zusammenarbeit intensivieren sollte. Zwei Jahre später wurde ein entsprechendes Grundsatzabkommen geschlossen.

Institutionelle Kooperationsstrukturen in der Euregio Maas-Rhein (EMR – Euregio Maas-Rhein; verändert)

Bereits 1978 gab es im Bereich des Schul- und Ausbildungswesens intensive Bemühungen, die sprachlichen Barrieren durch ein erweitertes Lehrangebot abzubauen; diese blieben jedoch überwiegend erhalten. 1981 entstand für die Regionen Aachen, Süd-Limburg und Belgisch-Limburg der erste Entwurf für das erste Grenzüberschreitende Aktionsprogramm – genannt GAP. Im Frühjahr 1983 entschied sich die Provinz Lüttich, sich ebenso an diesem Programmentwurf zu beteiligen. Ein endgültiger Beschluss des Aktionsprogramms GAP wurde durch die Konferenz der Gouverneure 1986 gefasst. In diesem Dokument wurde die EMR als bedeutende Institution bestätigt, was besonders in Hinblick auf die Wirtschaft einen Fortschritt bedeutete: Seitdem ist die EMR ein wichtiger Gesprächspartner auf europäischer Ebene. Schon Mitte der 1980er Jahre leistete die Europäische Gemeinschaft (EG) einen (finanziellen) Beitrag zu einzelnen sozio-ökonomischen Projekten. Allerdings entwarf die EMR erst 1988 ein Programm, das von der EG in Höhe von 1,4 Mio. (1989) subventioniert wurde (s. Website Universität Göttingen).

Seit 1991 hat die Euregio Maas-Rhein, die anfangs in Maastricht und nun in Eupen ihren Sitz hat, eine rechtliche Grundlage in Form einer „Stichting“ (Stiftung) nach niederländischem Recht. 1992 trat die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens der Arbeitsgemeinschaft als fünfte Partnerregion bei. Höchstes Entscheidungsgremium der Euregio Maas-Rhein ist der Vorstand, dessen unmittelbarer Verantwortung das Büro der Euregio Maas-Rhein untersteht. Zusammengesetzt ist der Stichting-Vorstand aus dem Kommissar der Königin der Provinz Limburg (NL), dem Gouverneur der Provinz Lüttich (B), dem Gouverneur der Provinz Limburg (B), dem Regierungspräsidenten von Köln (D) und dem Ministerpräsidenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens sowie jeweils drei weiteren Vorstandsmitgliedern der einzelnen Partnerregionen (Stichting Euregio Maas-Rijn 2005: o.S.).

Neben den ständigen strategischen Begleitgruppen arbeiten auch themengebundene und zeitlich begrenzte Fachausschüsse zu bestimmten Themen. Zudem verfolgt die Stichting das Ziel, die Zusammenarbeit euregionaler Netzwerke wie z.B. von Universitäten, Städten, Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Arbeitsämtern, Handelskammern, Einrichtungen auf dem Gebiet der Raumordnung, der Jugend- und Sozialeinrichtungen, der öffentlichen Transporte, des Verbraucherschutzes usw. auf- und auszubauen (s. Stichting Euregio Maas-Rijn 2005: o.S.)

Ein wichtiges Beratungsorgan bei der grundlegenden Orientierung und demokratischen Legitimation der grenzübergreifenden Politik ist der Euregiorat, der am 25. Januar 1995 konstituiert wurde. Die Mitglieder vertreten die politischen Parteien (s. Website Euregio – Euregiorat). Neben dem Euregiorat wurde ein Wirtschafts- und Sozialrat mit Vertretern der Sozialpartner etabliert.

Im engen Verbund mit den niederländischen und belgischen Partnern in der Euregio Maas-Rhein hat dieser Raum beste Voraussetzungen, eine Modellregion des künftigen Europas zu werden: Das besondere Zusammenspiel von Natur und Kultur der ländlichen Räume und der pulsierenden städtischen Zentren auf deutscher, niederländischer und belgischer Seite, ihre Lage, Größe und Bevölkerungszahl – aber auch die ökonomische Potenz und ihre wissenschaftlich-technologisch fundierte Innovationskraft – werden der Euregio Maas-Rhein die Möglichkeit geben, im Kreis der großen europäischen Agglomerationsräume Akzente zu setzen und sich zu einer polyzentrischen Metropolregion zu entwickeln.

Quellen
Website Universität Göttingen, Abruf am 29.04.2009 unter: www.geogr.uni-goettingen.de/kus/personen/euregio/his-emr1.html
Stichting Euregio Maas-Rijn (2005): Europa Konkret/Europe Concrete. o.O, o.V.
Website Euregio Maas-Rhein – Euregiorat, Abruf am 24.01.2011 unter: www.euregio-mr.com/de/euregiomr/organisation/euregiorat