Was sind Metropolitane Grenzregionen? 2018-04-24T14:21:20+00:00

Was sind Metropolitane Grenzregionen?

Metropolitane Grenzregionen als (neuer) Raumtyp

Was zeichnet Metropolitane Grenzregionen aus? Zu Beginn des MORO zu grenzüberschreitenden Verflechtungsräumen ging es darum, eine Annäherung und schließlich eine belastbare Definition für metropolitane Grenzregionen als (neuen) Raumtyp im europäischen Kontext zu finden. Grundlagen lieferten mehrere Workshops und Expertisen zum Thema sowie die BBSR-Studie „Metropolräume in Europa“ (BBSR 2010).

Den Ausgangspunkt bildete ein Vergleich metropolitaner Funktionen der vier beteiligten Grenzregionen mit ausgewählten europäischen Metropolregionen in Deutschland durch die TU Dresden (2009/2010). Der Vergleich belegte, dass „große Teilgebiete der untersuchten Grenzregionen Potenziale aufweisen, die sich mit denen kleinerer deutscher Metropolregionen wie Nürnberg, Hannover oder Mitteldeutschland vergleichen lassen“ (BMVBS 2011: 37.)

Hauptstädte und Landeshauptstädte in den Vergleichsregionen (TU Dresden 2010a: 9)

Ausstattung mit Top 500-Universitäten im regionalen Vergleich (Shanghai-Ranking) (TU Dresden 2010a: 15)

Allerdings haben diese Funktionen und Kompetenzen nur eine begrenzte Wirksamkeit für eine integrierte (metropolitane) Entwicklung der Grenzregionen. Dies liegt daran, dass komplexe Mehrebenen-Verflechtungen das gemeinsame (Verwaltungs-)Handeln erschweren und Ansiedlungs- und Förderpolitiken für Unternehmen ebenso wie die Forschungs- und Entwicklungspolitik oder die Verkehrspolitik weiterhin überwiegend national ausgerichtet sind.

Neben metropolitanen Standortfaktoren wurden 2009/2010 insbesondere die funktionalen Verflechtungen über nationalstaatliche Grenzen hinweg betrachtet. Diese lassen sich u.a. über den Indikator „Pendlerbeziehungen zwischen den nationalen Teilräumen“ hervorragend abbilden. Die Pendlerströme in der Großregion erreichen auf europäischer Ebene Spitzenwerte. Auch die anderen am MORO beteiligten Regionen zeichnen sich durch intensive Arbeitsmarktverflechtungen aus. Allerdings, so das Ergebnis der Studie der TU Dresden, bestehen die intensiven funktionalen Verflechtungen meist nur im grenznahen Bereich und nicht im gesamten räumlichen Umgriff der sehr großräumig verfassten Grenzregionen wie die Großregion oder die Trinationale Metropolregion Oberrhein.

Gerade die Grenze kann zwischen den nationalen Teilräumen der Anrainerstaaten eine Art „Motor“ für eine Intensivierung funktionaler Verflechtungen sein. Treiber sind starke wirtschaftliche Standorte und insbesondere das Strukturgefälle zwischen den nationalen Teilräumen.

Im Gegensatz zu den (meisten) deutschen Binnenmetropolregionen verfügen die untersuchten Grenzregionen über eine jahrzehntelange Kooperationskultur und vielfältige etablierte institutionelle Kooperationsstrukturen. Sie sind politisch-administrativ verfasst und damit räumlich klar definiert. Das kann von Vorteil sein, da neue Konzepte einfacher in bestehende Strukturen eingebettet werden können. Hingegen kann es sich als nachteilig erweisen, wenn dies nicht gelingt und vorhandene Organisationen und Akteure diesen bzw. den damit induzierten Veränderungen kritisch gegenüber stehen.

Dies trifft gleichermaßen für die räumliche Verfasstheit der Grenzregionen zu, wenn Konzepte wie das der „Grenzüberschreitenden Polyzentrischen Metropolregion“ (GPMR) der Großregion sich in erster Linie auf einen Kernraum beziehen. Das Konzept der variablen Geometrie, d. h. also der flexiblen Zuschnitte von Kooperations- und Handlungsräumen entsprechend den jeweiligen Handlungserfordernissen, kommt hier an seine Grenzen: Akteure nicht beteiligter peripherer Teilräume können sich bei einer auf den Kernraum bezogenen Umsetzung eines derart symbolträchtigen Konzepts wie dem der metropolitanen Grenzregion benachteiligt fühlen. Gleichzeitig haben großräumige, stark polyzentrische Ballungsräume u.a. oft das Problem der Wahrnehm- und Überschaubarkeit.

Auf Basis dieser Erkenntnisse einigten sich die Partner auf vier konstituierende Merkmale, die die Eigenschaften der metropolitanen Grenzregionen und das Selbstverständnis der Partnerschaft zusammenfassen:

  1. Metropolitane Grenzregionen zeichnen sich durch intensive grenzüberschreitende funktionale Verflechtungen und Gemeinsamkeiten aus.
  2. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit beruht auf tradierten institutionellen Arrangements.
  3. Großräumigkeit und polyzentrische Raumstruktur prägen die Regionalisierung.
  4. Die metropolitanen Grenzregionen integrieren metropolitane Funktionen und besitzen besondere Potenziale für Wachstum und Innovation.

Diese Merkmale kennzeichnen nicht nur die IMeGRegionen, sondern auch andere MGR in Europa, wie die Öresundregion, die Eurométropole Lille-Kortrijk-Tournai, Grand Genève oder die centrope. Es handelt sich dabei um Grenzregionen mit hohem Potenzial für Wachstum, Integration sowie eine kohärente Raumentwicklung in Europa.